II. Quartal/06 AGA in H***
Tja, nun ist mein letzter Tag der Grundausbildung auch schon eine Woche her und ich muss sagen, rückblickend war es eine geile Zeit. Aber jetzt mal von Anfang an.
Montag, 03.04.2006
Der Tag ist gekommen. Gepackte Taschen, nach tagelangem Grübeln „was nehme ich mit?“. Trotz mehrfacher Aussage, ich bräuchte nur Kulturbeutel und Unterwäsche, liegt natürlich noch zivile Kleidung drin, eine Digi-Cam, was zu lesen, was Süßes, Musik und so weiter. Jedem, der in den nächsten Quartalen vor der Einpack-Frage steht will geraten sein „Ihr braucht wirklich nur Kulturbeutel und Unterwäsche“!
Ich bin also in H*** angekommen. Keine Angst falls ihr Zugfahrer seid, es fährt ein BW-Bus-Shuttle zwischen Bahnhof und Kaserne. Das sollte nun also mein neues „zu Hause“ für die nächsten drei Monate werden. Das ist also die Soldatenschmiede. Das hier könnte also mein persönlicher Alptraum werden. Nachdem ich herausgefunden habe, wo ich hin muss, schon 3-4 Unterschriften leisten musste, wurden wir auf unsere Inspektionen verteilt. Erster Kontakt zu den Anderen. Allgemeine Rat-, und Hilflosigkeit in den Gesichtern. Ich kann euch gar nicht mehr genau sagen, was ich an diesem Abend alles unterschrieben habe, wo wir überall hin sind, wer sich uns alles vorgestellt hat. Es war auf jeden Fall eine ganze Menge und der Tag fand erst gegen 00Uhr ein Ende.
So sah es eigentlich die ganze folgende Woche über aus. Jeden Morgen um 0530 Uhr aufstehen. Wobei es uns damit sehr gut getroffen hat, weil einige schon um 0400Uhr aufstehen durften. Natürlich hatten wir somit auch als letzter Dienstschluss, aber was machte das schon, wenn man eh immer länger als der Zapfenstreich spät war, unterwegs war.
Die zweite Woche kam, und somit auch der anstrengenste Geländedienst von allen. Lasst euch soviel gesagt sein, Bewegungsarten im Gelände ist kein Spaß! Man stellt es sich so einfach vor. Auf den Bauch schmeißen und wie ein Baby auf allen Vieren vorwärts kriechen. Aber nein, da gehört Technik zu, das benötigt Ausdauer und vor allem schmerzfreie Ellbogen und Knie. Gleitenderweise sind wir also über Baumwurzeln gekrochen, springend durch den Wald gefroscht und uns an Bäume angepirscht. Die folgenden Wochen verbrachten wir dann wieder wie zivilisierte Menschen, aufrecht gehend. Aber selbst das will gelernt sein! Wie bei der Bundeswehr üblich, hat selbst „Laufen-lernen“ einen anderen Namen, nämlich FORMALDIENST. Für manche das übelste Wort überhaupt, für mich eine Erholung. Endlich konnte ich hinter meinem Vordermann herlaufen ohne ständig die Schrittfrequenz ändern zu müssen und ohne, dass mein Hintermann mir ständig in die Hacken tritt. Als das Ganze dann in Uniform stattfand (mittlerweile auch komplett eingekleidet), sah es schon fast gewollt und gekonnt aus. Auch Unterrichte kamen nicht zu kurz. Dienstgrade, Die Pflichten eines Soldaten, Befehl & Gehorsam. Alles was ein guter Soldat von heute so wissen muss. Die ersten Rekruten wurden zu SAZ ernannt und auch unser erster Marsch (6km) stand an. Diesen haben wir in recht guter Zeit und mit relativ wenig Ausfällen (neue Stiefel, Blasen und so) gemeistert. Tut euch selber aber einen Gefallen und verpflastert euch nicht schon VOR dem Marsch die Füße. Ich habe Übles von Leuten gesehen, die dies taten.
Was darauf in den kommenden Wochen folgte, bekomm ich nicht mehr in einen wöchentlichen Überblick verfasst. Es waren auf jeden Fall viele Unterrichtseinheiten beim Inspektionschef über die Vorgesetzten Verordnung, Wehrbeschwerdeverordnung, Erzieherische Maßnahmen und so weiter. Natürlich Unterrichte die notwendig sind, auch versucht wurden interessant zu gestalten, jedoch im Thema an sich sehr trocken sind. Auch Informationsveranstaltungen der DBwV und beim Standortpfarrer waren an der Tagesordnung. Spannender wurde es, als wir zum ersten Mal unser Gewehr in Händen hielten. Unterricht beim Gruppenführer über die Baugruppen und Einzelteile. Zerlegen und Zusammensetzen. Auch Waffendrill genannt. Natürlich Stationsweise. Das sollte mich die gesamte AGA-Zeit durch verfolgen. Auch die Handfeuerwaffe P8 durfte ich zerlegen und zusammensetzen, was schnell erledigt war, da wesentlich weniger Einzelteile vorhanden. Mit dem Waffendrill, logischerweise verbunden, das Waffenreinigen. Jedoch sehr viel weniger schlimm, wie immer behauptet. Nach der Zeit fängt es sogar an Spaß zu machen, weil man dabei wenigstens mal sitzen kann. Allerdings frustriert das Reinigen doch sehr, wenn man das Gewehr vorher nicht dreckig machen kann. Das sahen die Ausbilder wohl auch so. Das erste mal Schießen! Mit Splitterschutz, Koppel, Helm, Rucksack und Gewehr ging es los zur Standort Schießanlage. Ich muss sagen, es war ein seltsames Gefühl, der scharfe Schuss. Und als wir nach dem Mittag dachten, es ging weiter, hieß es schon aufrödeln, in Formation aufstellen und Abmarsch. Marsch? Davon stand aber nichts auf dem Dienstplan. Das war der Zeitpunkt an dem wir lernten, dass der Dienstplan wohl nur eine Wanddekoration und eine grobe Richtlinie ist. Nach diesem Marsch gab es schon mehr Ausfälle als nach dem Ersten, aber auch das war geschafft. Sportlich ging es dann auch weiter, der PFT musste gemacht werden und eine Kasernenrunde gelaufen werden, bei der ich eigentlich ständig mit Aufschließen beschäftigt war und am Ende auch wirklich am Ende war. Was für die Vordersten ein lockeres joggen war, war für mich ein Ausdauersprint. Ich betete, dass dies nicht allzu oft ansteht und meine Gebete wurden erhört. Während der drei Monate Grundausbildung absolvierten wir den so genannten Geländelauf drei Mal.
Es folgten wieder viele Unterrichte in Sachen Orientieren im Gelände und EAKK. Also Checkpoint, Alarmposten, Feldposten, Streife, Patrouille. Sowie harte Theorie über Wache. Da dies aber nicht nur bei Theorie bleiben kann, stand also der nächste Geländedienst an. Diesmal sogar ein Doppel GD. Morgens mit gesamten Gerödel raus auf den Truppenübungsplatz, Zelte aufbauen, Mittag essen, Orientierungsmarsch, Abendessen, Stationsausbildung und Einweisung ins SEM, sowie FFOBZB, auch liebevoll Ackerschnacker genannt. Wieder mal Theorie die in Praxis umgesetzt werden muss. Also Streife, Alarmposten usw. besetzen, der alle zwei Stunden gewechselt werden musste. Für alle anderen hieß es, Nachtruhe so gut es in dieser Nacht möglich war. Der nächste Morgen, nach einer viel zu kurzen Nacht, begann mit Lager abbauen und Frühsport. Alles ablegen bis auf T-Shirt, Hose, Stiefel und natürlich vorbildlich, Gewehr immer am Mann und ein paar Runden am Hang im Kreis gelaufen. Gewehr vor die Brust, Gewehr über den Kopf. Schon nach den ersten Runden war ich so am Ende, dass mein Zug ein paar extra Runden für mich drehen musste, um mich einzusammeln. Das konnte ich den Anderen natürlich nicht zumuten, also biss ich so gut auf die Zähne wie es ging. Danach spärliche Körperpflege, Frühstück und wieder aufrödeln. Los ging’s über Wald und Wiese, durch einen kleinen See schwimmen, tarnen und das ganze von vorne. Irgendwann sahen wir dann auch den heiß begehrten Y-Tours Bus, wobei keiner dran glaubte zurück gefahren zu werden. Doch wieder wurden unsere Gebete erhört. Also aufsitzen und abfahrt. Danach Waffenreinigen, Umziehen, Abendessen und Dienstschluss.
Was auch unterrichtet werden musste, war EOR/EOD. Minenerkundung. Eigentlich eine der spaßigsten Stationsausbildungen, auch wenn es einem sinnlos vorkommt, mit einem Stricknadel ähnlichem Ding in einem Beachvolleyballfeld rum zu stochern, doch auch dies kann man sich durch nette Gespräche versüßen.
Was stand noch so während der Grundausbildung an? Natürlich diverse weitere Schießen, ob bei Tag oder Nacht. Die San-Ausbildung, Sperrenbau, HiBa, Gefechtsmarsch von 20km und viele andere lustige Kleinigkeiten. Besonders Erwähnenswert sind meiner Meinung nach die Einsatzübung und das Gefechtsschießen. Die Einsatzübung hat mir persönlich an der Grundausbildung am Besten gefallen, weil man dort endlich mal das gelernte anwenden konnte. Zwar gestellt, aber es heißt ja, LIDL – Leben in der Lage. Jetzt wusste ich endlich, warum ich stundenlang durch das Kasernengelände gelatscht bin, in einem Tempo, das jede Oma geschafft hätte, rechts und links nach nicht vorhandenen Minen Ausschau gehalten habe oder einen Checkpoint betrieben habe, wo eh nichts passiert. Hier war alles anders. Hier wurde überprüft wie ernst wir die bisherige Ausbildung nahmen. Auch eine kleine San-Dienst Einlage war dabei. Das Gleiche galt für das Gefechtsschießen. Dort wurde auf den Umgang mit der Waffe geachtet sowie auf das Erlernte in den Unterrichten „Rules of Engagement“ usw. Man lebte wieder in der Lage, begann mit einem kurzen Patrouillenweg, der durch einen lauten Knall unterbrochen wurde, hetzte so schnell es möglich war in seine Stellung und „ballerte Blei in die Heide“, immer darauf bedacht, keine Zivilisten zu erwischen. Das waren meine persönlichen Highlights!!
Auch wenn das hier eine kurze Zusammenfassung werden sollte, die etwas länger wurde, als geplant, aber noch lange nicht alles erzählt, was erwähnenswert gewesen wäre, möchte ich mir ein paar abschließende Worte erlauben.
Trotz dem ganzen Stress, der Nervosität, der Anstrengung und der Gedanken ans Aufgeben, HALTET DURCH! Ich denke ich habe in dieser einen Woche genug Abstand gewonnen um sagen zu können, dass es ne verdammt schöne und lehrreiche Zeit war. Natürlich war dies alles auch unseren Ausbildern zu verdanken, die sich auch oft für uns eingesetzt haben! Zeigt Einsatzbereitschaft und viel guten Willen und die drei Monate werden wie im Flug vergehen.
In diesem Sinne wünsche ich euch zukünftigen Soldaten alles Gute und das Quäntchen soldatische Glück.
Eure Tussi